Anhang A der ISO 27001 ist der wohl am häufigsten genannte Anhang einer Managementnorm. Warum gibt es so viel darüber zu reden? Warum geschieht dies manchmal so kontrovers?
Falls Sie den Anhang A gelesen haben, so haben Sie gesehen, dass dort 133 Sicherheitsmaßnahmen aufgeführt sind. Falls dies so ist, wozu wird der größte Teil der Norm verwendet?
Zweck
Anhang A enthält die folgenden Klauseln (manchmal auch als ISO 27001 Anhang A Bereiche genannt):
- A.5 Sicherheitsrichtlinien
- A.6 Organisation der Informationssicherheit
- A.7 Management von organisationseigenen Werten
- A.8 Personelle Sicherheit
- A.9 Physikalische und ökologische Sicherheit
- A.10 Betriebs- und Kommunikationsmanagement
- A.11 Zugangskontrolle
- A.12 Beschaffung, Entwicklung und Wartung von Informationssystemen
- A.13 Umgang mit Informationssicherheitsvorfällen
- A.14 Betriebliches Kontinuitätsmanagement
- A.15 Einhaltung
Wie bereits erwähnt enthält Anhang A 133 Maßnahmen, die – wie man den Namen der Abschnitte entnehmen kann – nicht allein auf IT ausgerichtet sind. Sie decken ebenso physische Sicherheit, Rechtsschutz, Personalmanagement, organisatorische Fragen usw. ab.
Aus diesem Grund sollten Sie Anhang A als eine Art Katalog von einzusetzenden Maßnahmen betrachten, den Sie während ihres Behandlungsprozesses einsetzen. Sobald Sie unzulässige Risiken bei der Risikoeinschätzung erkennen, hilft Anhang A Ihnen dabei, die richtige Maßnahme(n) zu wählen, um diese Risiken zu senken. Und stellen Sie sicher, dass Sie keine wichtige Maßnahme vergessen.
Im Anhang A kommen ISO 27001 und ISO 27002 zusammen – die Maßnahmen in ISO 27002 sind die gleichen wie in Anhang A der ISO 27001. Der Unterschied liegt in den Details – ISO 27001 nennt für jede Maßnahme nur eine kurze Definition, während ISO 27002 detaillierte Leitlinien nennt, wie die Maßnahme umzusetzen ist.
Nachteile
Wenn Sie jetzt denken, dass Anhang A das perfekte Umsetzungswerkzeug für Ihr Informationssicherheitsprojekt ist, so sollten Sie nicht zu optimistisch sein – er umfasst auch einige Dinge, die keinen Sinn machen. So definieren einige Maßnahmen beinahe die gleichen Fragen, was manchmal für Verwirrung sorgt – wie A.9.2.6 (Sichere Entsorgung oder Wiederverwendung von Betriebsmitteln) und A.10.7.2 (Entsorgung von Medien). Auf der anderen Seite werden einige Probleme wie die Beziehungen zu Dritten auf verschiedene Abschnitte des Anhangs A verstreut. Sie finden sie in Abschnitt A.6.2 (Externe Beziehungen), A.8 (Personelle Sicherheit) und A.10.2 (Management der Dienstleistungs-Erbringung von Dritten) sowie in der Maßnahme A.12.5.5 (Ausgelagerte Softwareentwicklung). Deswegen ist es manchmal schwierig, Anhang A als Umsetzungswerkzeug zu verwenden.
Aber dies sind nicht die einzigen Unklarheiten – bei einigen der Maßnahmen erwähnt Anhang A Richtlinien und Verfahren, fordert aber nicht deren Dokumentation. Es erscheint komisch, aber nur dort, wo das Wort „dokumentiert“ erscheint, verlangt die Normen schriftliche Richtlinien/Verfahren. Wenn Sie die gesamte Anlage A analysieren, so wird der Begriff „dokumentiert“ in nur 6 Maßnahmen genannt (A.5.1.1, A.7.1.3, A.8.1.1, A.10.1.1, A.11.1.1, A.15.1.1). Das heißt, dass Sie alle anderen Maßnahmen ohne Dokumentation umsetzen können.
Allerdings sollte man diese Flexibilität der Anlage A nicht missbrauchen. Je größer das Unternehmen ist, desto mehr Dokumente sollten Sie erstellen, um zu gewährleisten, dass sich jeder Ihrer Sicherheitsverfahren bewusst ist (und diese erfüllt). Auf der anderen Seite sollten Sie darauf achten, die Dokumentation nicht zu übertreiben – falls sie übertrieben groß ist, wird sie von niemandem mehr beachtet werden.
Verbindung zum wichtigsten Teil der ISO 27001
Der Hauptteil der Norm, oder genauer gesagt die verbindlichen Abschnitte 4 bis 8 enthalten den Managementteil der Norm – sie schreiben den PDCA-Zyklus (Planen – Durchführen – Überprüfen – Handeln) vor, einschließlich Risikoeinschätzung und -behandlung, Dokumentations- und Aufzeichnungsmanagement, Bereitstellung von Ressourcen, internes Audit, Managementprüfung, Korrektur- und Vorbeugungsmaßnahmen usw.
Wie bereits erwähnt sind Risikoeinschätzung und Risikobehandlung die wichtigste Verbindung der Abschnitte 4 bis 8 und der Maßnahmen in Anhang A. Sie werden Ihnen bei der Entscheidung helfen, ob einzelne Maßnahmen aus Anhang A sind das Senken der Risiken notwendig sind oder nicht.
Das bedeutet, dass die Abschnitte 4 bis 8 und Anhang A nur gemeinsam existieren können. Die Risikoeinschätzung macht keinen Sinn, wenn es keine Maßnahmen gibt, um die Risiken zu verringern, und der einzige Weg, um die Anwendbarkeit der Maßnahmen zu bestimmen, ist eine Risikoeinschätzung.
Meiner Meinung nach gehören dieser Schwerpunkt auf Risiken sowie die Flexibilität bei der Anwendung der Sicherheitsmaßnahmen gemäß der eigenen Einschätzung zu den größten Vorteilen der ISO 27001 – Sie müssen nur darauf achten, den vollen Nutzen daraus zu ziehen.
Sie können sich auch unser Webinar ISO 27001 Foundations Part 3: Annex A overview ansehen (kommerzielles Training).
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