Wenn Sie auf die ISO 27001 und ISO 27002 gestoßen sind, so haben Sie wahrscheinlich bemerkt, dass ISO 27002 wesentlich detaillierter und viel genauer ist – nun, welchen Zweck hat ISO 27001 dann noch?
Zunächst einmal können Sie nicht nach ISO 27002 zertifizieren lassen, weil es sich nicht um eine Managementnorm handelt. Was ist eine Managementnorm? Managementnorm heißt, dass festgelegt wird, wie ein System funktioniert. Im Falle der Norm ISO 27001 werden die Informationssicherheits-Managementsysteme (ISMS) definiert – also ist eine Zertifizierung nach ISO 27001 möglich.
Managementsystem bedeutet, dass Informationssicherheit geplant, umgesetzt, überwacht, geprüft und verbessert werden muss. Es bedeutet, dass das Management eigene Verantwortlichkeiten hat, dass Ziele festgelegt, gemessen und geprüft werden müssen, das interne Audits durchgeführt werden müssen und so weiter. Alle diese Elemente werden in ISO 27001 definiert, aber nicht in ISO 27002.
Die Maßnahmen nach ISO 27002 tragen die gleichen Namen wie in Anhang A der ISO 27001 – zum Beispiel wird Maßnahme 6.1.6 in ISO 27002 „Kontakt zu Behörden“ genannt, während in ISO 27001 Maßnahme A.6.1.6 „Kontakt zu Behörden“ heißt. Doch der Unterschied liegt in den Einzelheiten – in ISO 27002 umfasst die Erklärung einer Maßnahme durchschnittlich eine ganze Seite, während ISO 27001 jeder Maßnahme nur einen Satz widmet.
Schließlich besteht der Unterschied darin, dass ISO 27002 keinen Unterschied zwischen Maßnahmen für ein bestimmtes Unternehmen und übergreifende Maßnahmen macht. Andererseits schreibt ISO 27001 eine zwingend durchzuführende Risikoeinschätzung vor, die für jede Maßnahme feststellt, ob sie zwecks Verringerung der Risiken erforderlich ist, und wenn ja, in welchem Umfang sie angewendet werden sollte.
Die Frage lautet: Warum bestehen zwei Normen getrennt nebeneinander, warum wurden sie nicht zusammengeführt, um die positiven Seiten beider Normen zusammenzubringen? Die Antwort ist Anwenderfreundlichkeit – hätte es eine einzelne Norm gegeben, so wäre sie zu komplex und zu groß für den praktischen Einsatz geworden.
Jeder Standard der ISO 27000-Reihe wurde für einen bestimmten Schwerpunkt konzipiert – falls Sie Grundlagen der Informationssicherheit in Ihrem Unternehmen umsetzen und dafür einen Rahmen schaffen wollen, so sollten Sie ISO 27001 verwenden. Wollen Sie dagegen Kontrollen einrichten, so sollten Sie ISO 27002 verwenden. Für die Durchführung von Risikoeinschätzung und Risikobehandlung wäre ISO 27005 genau richtig usw.
Abschließend könnte man sagen, dass die in Anhang A der ISO 27001 festgelegten Maßnahmen ohne die Details in ISO 27002 nicht umgesetzt werden könnten. Ohne den Managementrahmen aus ISO 27001 jedoch bliebe ISO 27002 nur ein isoliertes Projekt einzelner Anhänger der Informationssicherheit, ohne Akzeptanz des leitenden Managements und damit ohne wirkliche Auswirkungen auf das Unternehmen.
Sie können sich auch unser Webinar ISO 27001 Foundations Part 3: Annex A overview ansehen (kommerzielles Training).
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